Sehr geehrter Herr Asman
Besten Dank für Ihr Mail an den Präsidenten des Direktoriums, Martin Schlegel. Im Auftrag von Herrn Schlegel antworte ich Ihnen gerne wie folgt.
Die Schweizerische Nationalbank als Zentralbank der Schweiz hat den gesetzlichen Auftrag, die Geld- und Währungspolitik im Gesamtinteresse des Landes zu führen. Sie gewährleistet die Preisstabilität. Dabei trägt sie der konjunkturellen Entwicklung Rechnung (siehe Art. 5 Abs. 1 Nationalbankgesetz SR 951.11 - Bundesgesetz vom 3. Oktober 2003 über die Schweizerische Nationalbank (Nationalbankgesetz, NBG) | Fedlex).
Das Ziel der Preisstabilität leitet somit das geldpolitische Handeln der SNB. Im September 2011, in einem durch ausserordentliche Umstände geprägten Umfeld, hat das Streben nach Preisstabilität die Nationalbank zum Entscheid bewogen, einen Mindestkurs zum Euro von 1,20 Franken pro Euro einzuführen. Die Gründe für den damaligen Entscheid können Sie im Geschäftsbericht 2011 Vollständiger Geschäftsbericht 2011 oder in den zwei folgenden Reden Referat an der Generalversammlung und 2012 - Schweizer Geldpolitik in unsicheren Zeiten nachlesen.
Im Januar 2015 wurde der Mindestkurs wieder aufgehoben. Informationen dazu finden Sie im Geschäftsbericht 2015
Vollständiger Geschäftsbericht 2015 und in den folgenden Ansprachen
Nach dem Mindestkurs: Geldpolitik vor neuen Herausforderungen und Die Geldpolitik der SNB nach Aufhebung des Mindestkurses.
Von September 2011 bis Januar 2015 bestand somit ein Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro. Hingegen trifft es nicht zu, dass die SNB «ein stabiles Band von 1,50 Franken pro Euro aufrechterhielt» oder «den Franken während vieler Jahre mit einem Kurs von 1,50 an den Euro gebunden hat», wie Sie schreiben.
Zu den Krediten in Schweizer Franken, die Schuldner in Polen aufgenommen haben, kann sich die Nationalbank nicht äussern. Es handelt sich bei diesen Krediten um Geschäfte zwischen den Schuldnern und ihren Banken, für die die Nationalbank nicht zuständig ist und in die sie in keiner Art und Weise involviert ist.
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse an den Belangen der Nationalbank und grüsse Sie freundlich.
Anne Kleinewefers Lehner
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Dr. Anne Kleinewefers Lehner
Kommunikation
Themen und Inhalte
anne.kleinewefers-lehner@snb.ch
Schweizerische Nationalbank
Börsenstrasse 15
CH-8022 Zürich
Schweizerische Nationalbank
Herr Präsident
Börsenstrasse 15
CH‑8022 Zürich
Schweiz
Sehr geehrter Herr Präsident,
mein Name ist Michał Asman. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Finanzmarktanalysen, Währungsmodellen sowie den systemischen Zusammenhängen zwischen Geldpolitik und makroökonomischer Stabilität. Die Entwicklungen rund um den Schweizer Franken verfolge ich seit 2010 über neutrale, öffentlich‑rechtliche Informationsquellen wie www.swissinfo.ch, um geldpolitische Signale und Entscheidungen direkt an der Quelle zu beobachten.
Ich erlaube mir, Ihnen meine Überlegungen zu der außergewöhnlichen Situation zu übermitteln, in der sich die Schweiz in den Jahren 2010–2015 befand. Aus heutiger Sicht ist für mich klar erkennbar, dass die Schweizerische Nationalbank unter beispiellosem globalem Druck handelte und viele Entscheidungen — so schwierig sie auch waren — notwendig waren, um die Stabilität des Finanzsystems zu schützen. In jener Zeit reagierten die Märkte extrem sensibel, und die Angst dominierte die Kommunikation, was die Wirksamkeit selbst verantwortungsvollster Maßnahmen begrenzte.
In den beigefügten Analysen präsentiere ich:
eine detaillierte Betrachtung der Mechanik der Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro,
die Auswirkungen auf die Finanzmärkte in Mitteleuropa und auf Kreditnehmer,
eine Reflexion über Kommunikation und Wahrnehmung jener Ereignisse,
sowie einen modellbasierten, mathematisch fundierten Vorschlag, wie die Thematik der CHF‑Kredite in einer Weise geordnet werden könnte, die allen Beteiligten ermöglicht, ihr Gesicht zu wahren.
Mein Vorschlag stellt keine Forderung dar. Er ist ein Versuch, die damaligen Ereignisse ruhig, analytisch und im historischen Kontext der SNB‑Politik zu betrachten — insbesondere im Hinblick auf die langjährige strukturelle Bindung des CHF an den EUR im Bereich von 1,50.
Ich bin der Überzeugung, dass ein solches Vorgehen zeigen könnte, dass die Schweiz nicht nur ihre Wirtschaft in einer schwierigen Phase erfolgreich geschützt hat, sondern auch bereit ist, mit Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein auf die Nebenwirkungen jener Zeit zu blicken. Dies würde die Reputation der Schweiz als stabiler, verlässlicher und verantwortungsvoller Akteur weiter stärken.
Sollten Sie es für sinnvoll halten, würde ich mich freuen, wenn Sie einen kurzen Blick auf meine Webseite werfen könnten: www.michal-asman.manifo.com
Mit vorzüglicher Hochachtung,
Michał Asman
Der Schweizer Franken war der einzige Ausnahmefall, der mich wirklich getroffen hat. Nicht, weil ich mich geirrt hätte — sondern weil die Reaktion der Schweiz zu spät kam.
Ich bin überzeugt, dass der Kurs zu Beginn der Krise wieder auf 1,50 CHF pro Euro hätte zurückkehren können, wenn die Intervention früher erfolgt wäre. Nach einem Jahr war klar, dass dies nicht mehr möglich war. Heute liegt der Kurs nahe bei 1:1, und wahrscheinlich wird er dort bleiben.
Doch es gibt etwas, das ich nie vollständig erzählt habe.
Von Anfang an habe ich betont, dass Polen sich an den Kriterien des Euro orientieren sollte — nicht am Schweizer Franken. Denn von der Beziehung Złoty–Euro hängen ab:
die Zinssätze,
die Inflation,
die Geldpolitik,
die finanzielle Stabilität.
Der Franken spielt dabei keine Rolle.
Als ich jedoch erkannte, dass der Franken eng an den Euro gebunden war und dass die SNB über Jahre hinweg ein stabiles Band um 1,50 CHF pro Euro aufrechterhielt, wurde mir klar, dass diese Bindung dauerhaft sein würde — unabhängig von globalen Ereignissen.
Die Glaubwürdigkeit der Schweiz war enorm. Deshalb vergaben Banken massenhaft Kredite in Franken: Der Franken war de facto ein „zweiter Euro“ — nur günstiger und gestützt auf den Ruf der Schweiz.
Wenn jemand behauptete, der Franken sei „stabiler“ als der Euro, erklärte ich, dass dies eine Illusion sei. Beide Währungen bewegten sich praktisch gemeinsam — nur in unterschiedlicher Skalierung.
All dies galt vor der plötzlichen Aufwertung des Frankens.
Als das Portal natemat.pl gegründet wurde, lud man mich ein, dort eigene Analysen zu veröffentlichen. Auf Money.pl hatte ich hohe Reichweiten, meine Texte wurden oft empfohlen.
Doch das änderte sich abrupt.
Als der Franken stark an Wert gewann, wollten die Medien meine Analysen nicht mehr veröffentlichen. Meine Glaubwürdigkeit war plötzlich verschwunden — obwohl nicht ich mich geirrt hatte, sondern die Reaktion der Schweiz zu spät kam.
Niemand fragte nach einer Erklärung. Niemand wollte zuhören.
Dabei war der Mechanismus einfach:
CHF/PLN = EUR/PLN gteil dur EUR/CHF
Der Franken wurde nicht teurer, weil der Złoty schwächer wurde, sondern weil der Franken gegenüber dem Euro aufwertete.
Ich schrieb damals einen scharfen Text, in dem ich sagte, man könne sich „mit dieser Glaubwürdigkeit den Hintern abwischen“. Das war eine Reaktion auf die Untätigkeit der SNB.
Wenige Stunden später wurde mein Konto auf natemat.pl gelöscht. Ohne Gespräch. Ohne Erklärung. Ohne Möglichkeit zur Verteidigung.
Heute sehe ich das anders — reifer und mit größerem Verständnis.
Damals herrschte globales Chaos. Die SNB warnte Investoren, signalisierte Risiken, bat um Vorsicht. Doch in Krisenzeiten hört niemand zu. Die Angst ist stärker als jede Kommunikation.
Wäre mein Text damals verbreitet worden, hätte er einen Effekt auslösen können, den niemand wollte: massive Kapitalabflüsse aus Schweizer Banken.
Das hätte zu echtem Chaos führen können.
Heute verstehe ich, dass die Löschung meines Artikels eine Form des Schutzes war — nicht vor der Wahrheit, sondern vor Panik.
Die Schweiz konzentrierte sich auf die Stabilität des Systems. Und sie hatte recht.
Ein weiterer Punkt wird oft übersehen: Ohne den Euro wäre Europa in jener Zeit völlig schutzlos gewesen.
Ohne gemeinsame Währung:
hätte jedes Land seine eigene Währung verteidigen müssen,
wären die Zinssätze höher gewesen,
Kredite teurer,
Spekulation einfacher,
Währungskrisen häufiger.
Kein europäisches Land — nicht einmal die größten — könnte mit den USA, China oder globalen Fonds konkurrieren. Europa wäre zersplittert und anfällig für Angriffe gewesen.
Gerade deshalb wurde der Franken zur „sicheren Zuflucht“. Ohne den Euro wäre der Kapitalzufluss in den Franken noch größer gewesen — und der Druck auf die SNB noch zerstörerischer.
Der Euro ist keine Ideologie. Der Euro ist ein Schutzschild.
Man muss auch klar sagen, was passiert wäre, wenn die SNB nicht über genügend Reserven verfügt hätte.
Ohne erfolgreiche Intervention:
hätte der Franken nicht um 30%, sondern um 50–70% aufwerten können,
der Export wäre kollabiert,
tausende Unternehmen wären gefährdet gewesen,
die Arbeitslosigkeit wäre stark gestiegen,
Banken wären an die Grenze der Zahlungsfähigkeit geraten,
der Hypothekenmarkt hätte zusammenbrechen können.
Das wäre die größte Wirtschaftskrise in der Geschichte der Schweiz gewesen.
Die SNB hat es geschafft — aber nur, weil sie außergewöhnlich starke Grundlagen hatte.
Die Schuld lag nicht bei der SNB. Die Investoren hörten nicht zu. Und in Zeiten der Panik hört niemand zu.
Da die Emotionen abgeklungen sind und die Lage stabil ist, halte ich es für sinnvoll, zur Frage einer fairen Lösung für CHF-Kredite zurückzukehren.
Ich schlage ein einfaches, logisches Modell vor:
PLN/CHF=PLN/EUR gteil dur 1,50
Das bedeutet: Der Kredit würde so abgerechnet, als wäre der Franken weiterhin an den Euro bei 1,50 gebunden — so wie es die SNB über viele Jahre praktiziert hat.
Die Differenz zwischen Markt- und Modellkurs könnte die SNB übernehmen — nicht als Entschädigung, sondern als mathematische Korrektur eines historischen Effekts.
Das ist kein Anspruch. Es ist ein Vorschlag, die Vergangenheit geordnet und respektvoll zu betrachten.
Die Schweiz hat die damalige Krise gemeistert — aber niemand kann garantieren, dass die Welt sie nicht erneut überraschen wird.
Die heutigen Kapitalströme sind:
schneller,
größer,
impulsiver,
weniger rational.
Deshalb ist die Ordnung der Vergangenheit nicht nur ein Zeichen des Respekts gegenüber Kreditnehmern, sondern eine Investition in die Zukunft.
Nicht als Schuldeingeständnis — sondern als Fortsetzung der eigenen Politik.
Keine Entschädigung — sondern eine mathematische Anpassung.
Die SNB könnte offen darlegen:
was möglich war,
was nicht möglich war,
was si vo 2010 bis 2015 glärnt händ,
welche Maßnahmen eingeführt wurden, um ähnliche Situationen zu vermeiden.
Das ist kein Fehler. Das ist institutionelle Reife.
Ich habe keinen Groll. Ich suche keine Schuldigen.
Mit Abstand sehe ich, dass jeder — auch ich — seine Lektion gelernt hat.
Heute kann ich darüber ruhig sprechen, mit Verständnis für die Entscheidungen, die damals getroffen wurden, und mit Respekt für jene, die inmitten des Chaos versuchten, die Stabilität ihres Landes zu schützen.
Mein Vorschlag ist einfach: die Vergangenheit ordnen, damit die Zukunft stabiler wird — für alle Beteiligten.
Michał Asman
T +41 58 631 00 00